Dein Weg zum Steuerberaterexamen inkl. Masterabschluss (Interview mit StB Prof. Dr. Wolfgang Kessler)

Zusammenfassung

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Worum es geht

Es gibt heutzutage viele Wege das Steuerberaterexamen zu absolvieren. Der klassische Weg über Ausbildung und Berufserfahrung oder auch der akademische Weg über den Masterabschluss. Seit einiger Zeit bieten verschiedene Einrichtungen auch eine kombinierte Variante an: Masterabschluss mit integrierter Vorbereitung und Umsetzung des Beraterexamens.

Professor Doktor Kessler ist als Direktor des Instituts für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg bekannt oder darüber hinaus Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Business and Law. Seiner Expertise im Bildungsbereich der Steuerlehre wird er aber auch durch die Pionierrolle im Aufbau des Taxmaster-Studiengangs gerecht, den er konzipiert und umgesetzt hat.

Mit den Steuerfreunden spricht Professor Doktor Kessler im Podcast „Deine Karriere in der Steuerberatung“ genau über dieses Thema und stellt dar, wo die Idee hinter dem Bildungsgang liegt, wie er die Vorteile und Herausforderungen in der Umsetzung des Studiengangs bewertet und natürlich auch, wie er seinen Kaffee trinkt. Das folgende Interview ist auf unserem Podcast „Deine Karriere in der Steuerberatung“ verfügbar.

 

Hier gehen wir auf das kritische Denken ein, die Gestaltungsberatung und nicht zuletzt auch ein wenig auf soziale Kompetenzen.

Prof. Dr. Kessler

Aus Gründen der Lesbarkeit wurden einige Passagen textlich überarbeitet und das Interview gekürzt.

Interview-Zusammenschnitt

Steuerfreunde (SF): Herr Professor Doktor Kessler, vielen Dank, dass Sie die Zeit für dieses Gespräch gefunden haben. Eine Standardfrage hätte ich vorab, die uns in der Redaktion immer brennend interessiert: Wie trinken Sie morgens Ihren Kaffee?

Professor Dr. Kessler (K): Ich trinke morgens einen Espresso mit etwas Milch und ganz viel Zucker. Der Italiener sagt glaube ich dazu „So warm wie die Hölle, so schwarz wie der Teufel und so süß wie die Liebe.“  

Übrigens die erste Investition die ich getätigt habe aus dem allerersten Honorar das ich für meine Habilitationsschrift vom Beck-Verlag bekommen habe, war eine der ersten Kaffeevollautomaten die es damals gab. Ich denke das ist ohnehin ein gutes Betriebsmittel für Steuerberatungskanzleien.  

SF: Heute sprechen wir über den Studiengang des Tax-Masters. Darf ich vorweg einmal fragen, wie Sie grundsätzlich überhaupt auf die Idee kamen, einen neuen Studiengang zu konzipieren, der einen Masterabschluss und das Beraterexamen verbindet?

K: Mir hat es immer schon viel Freude gemacht, neue Konzepte zu entwickeln. Und dann kam irgendwann 2005 die Idee, sozusagen logisch und folgerichtig, einen Studiengang zu entwickeln der beim Bachelor ansetzen würde. Das war damals auch die Zeit der Bologna-Reform, wo es auch sehr viel Gegenwind in der Bildung gab.

Wir wollten das neue Konzept aber nutzen und wenn dieses eben Bachelor und Master vorsieht, dann musste man das umsetzen. Damals war angedacht, den Bachelor als Regelabschluss umzusetzen und den Master wirklich auch nur für diejenigen anzubieten, die weiterführend studieren wollten.

Und mich hat bei der Steuerberaterprüfung schon immer geärgert, dass es um reines Finanzverwaltungswissen geht. Das heißt nicht, dass es nicht wichtig wäre. Als Berater ist es sogar überaus wichtig.

Die gesetzlichen Richtlinien muss man einfach wissen und die Gesetze im Schlaf herunterbeten können. Ich vergleiche das wie ein Arzt die Anatomie des Körpers kennen muss – aber man muss eben auch gestalten und kritisch denken können. Und das fehlt in der Steuerberaterprüfung. Da fehlt die betriebswirtschaftliche Beratung und auch die Gestaltungsberatung kommt ebenfalls nur in minimalen Ansätzen vor.

Und an diesem Punkt greift der Tax-Master. Da unterscheiden wir uns auch von den anderen Studiengängen. Hier gehen wir auf das kritische Denken ein, die Gestaltungsberatung und nicht zuletzt auch ein wenig auf soziale Kompetenzen.

SF: Den Studiengang des Tax-Masters bieten Sie ja inzwischen bereits seit einigen Jahren an. Haben Sie hierzu vielleicht bereits auch Erfahrungswerte aus der Praxis für uns? Inzwischen gibt es ja bereits zahlreiche Absolventen in diesem Bereich.

K: Grundsätzlich haben wir festgestellt, dass die Absolventinnen und Absolventen natürlich sehr gesucht sind. Aber das ist ja inzwischen allgemein in der Steuerberatung so. Ich muss aber sagen, dass jemand, der sich für einen solchen Studiengang interessiert, per se schon sehr engagiert ist und hier sehr gute Kompetenzen und ein hohes Engagement mitbringt.

Grundsätzlich stecken ja zunächst einmal ein hoher Aufwand und viel Arbeit dahinter. So muss man pro Woche sicherlich 10 bis 15 Stunden kalkulieren, die man neben der Arbeit investieren muss. Oftmals kann man seine Arbeitszeit reduzieren oder man muss seine Freizeit anpassen, aber das zeitliche Engagement bleibt entsprechend hoch.

Gleichzeitig schweißen zum Beispiel aber auch die Gruppenaufgaben natürlich sehr zusammen und wir haben tolle Netzwerke geschaffen, in denen man tolle Kommilitonen kennenlernt. Hier sind übrigens auch schon viele enge Freundschaften entstanden.

SF: Wie würden Sie grundsätzlich die Vor- und Nachteile des Studiengangs beurteilen. Klar, auf der einen Seite hat man quasi zwei Abschlüsse, aber offensichtlich gibt es ja auch eine zweite Seite der Medaille.

K: Neben dem zeitlichen Aufwand ist auch immer die Finanzierung eine Herausforderung. Hier gibt es sicher Arbeitgeber, die dies unterstützen, aber das ist nicht immer der Fall. Nun würden Studenten in Amerika natürlich lachen, wenn sie Ihre Studiengebühren mit unseren vergleichen würden, aber dennoch muss die Finanzierung erstmal gestemmt werden. Dennoch bleibt Alltag sicherlich die zeitliche Herausforderung aber mindestens genauso hoch.

Dafür erhält man aber auch den Zugang zu einem sehr guten Netzwerk, man macht schneller Karriere und die Möglichkeit zu promovieren, die man mit einem reinen Bachelorstudium natürlich auch nicht hätte.

Bei uns im Interview

Marcel Wickert

Marcel Wickert

StB Prof. Dr. W. Kessler ist Direktor des Instituts für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Business and Law an der Universität Freiburg. Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit liegt in den Bereichen Rechtsformgestaltung, Konzernsteuerrecht und Internationales Steuerrecht. Professor Kessler ist Dozent an der Bundesfinanzakademie sowie Mitglied des Fachinstituts der Steuerberater.

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